Samstag 19. Mai 2012, 03:39
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Flash ist Pflicht!

Im Bann der Shitstorm- Medien

DATEF Magazine

Zuallererst werden Sie sich nun fragen was ein Shitstorm- Medium und als zweites was Shitstorm an sich eigentlich ist. Wenn nicht, dann ist die rasante Ausbreitung von Social Network Medien wie Facebook und Twitter (noch) an Ihnen vorüber gegangen. Und tatsächlich ist trotz des großen Bekanntheitsgrades gerade unter „älteren“ Internetusern eine gewisse Unsicherheit und auch Unwissenheit gegenüber diesen Kommunikationsparallelwelten zu verzeichnen. So glauben doch viele das Facebook ein Tummelplatz für pubertierende Teens ist, die dort ihren angehäuften Klick-mich und Gefällt-mir- Freunden, Fotos und Posts (das sind kurze Statements über Befindlichkeiten oder Kommentare) von der Wochenendparty veröffentlichen.

Das mal als Harvard Plattform geplante Studentenweb Facebook, erfreut sich mittlerweile an über 500 Millionen aktiven Nutzern, laut eigener Aussage. Da stellt sich berechtigt die Frage, ob wir es wirklich noch mit einem halbintimen privaten Netzwerk zu tun haben, wie so mancher vielleicht noch glauben mag.

Der Fall Udo Reiter, MDR – Intendant aus Deutschland

Das diese Medien weit mehr als das sind, beweist der aktuelle Fall Udo Reiter, Geschäftsführer des deutschen Fernsehsenders MDR. Der twitterte nämlich fröhlich einen politisch, angesichts der Sarrazin Diskussionswelle und darauf abfolgenden Aussagen von Bundespräsident Christian Wulff, eher grenzwertigen Post über die Zukunft von Deutschland. Mit der Aussage, dass "2030 der neue Bundespräsident Mohammed Mustafa die ansässigen Muslime zur Wahrung der Rechte der deutschen Minderheit aufruft", schoss sich Reiter nicht nur selbst ab, sondern ließ durch den vernetzten Aufbau nicht nur seine 2400 „Freunde“ an seinen geistigen Ergüssen teilhaben, sondern auch gleich noch 20.000 andere User. Die Verbreitung dieses Posts verlief so rasend schnell, dass die darauffolgende Entschuldigung von Reiter, er habe nur einen ironischen Witz machen wollen, den entstandenen Schaden wohl kaum beheben dürfte.

Reiter im Angesicht des Shitstorms

Social Networks bieten aber nicht nur die Möglichkeit Informationen schnell zu verbreiten, je größer die Aufregung über einen Post ist, umso größer auch die Reaktionswelle. Denn anders als bei passiver Informationsverteilung, wie Zeitungen, Radio & Fernsehen, wo der Hörer, Leser oder Zuschauer keine direkte Meinungsäußerung tätigen kann, bieten Social Networks eine Vielzahl an Kommentarfunktionen. In besagten Fall löste das nicht nur eine Welle der Empörung aus, Reiter sah sich plötzlich konfrontiert mit sogenannten Reposts oder auch "Retweets", die ihm wohl weniger gefallen haben dürften. Ein Shitstorm startete und die Netzöffentlichkeit reagierte plötzlich heftig auf Reiter`s Äußerungen und bewarf ihn berechtigt oder unberechtigt mit verbalem „Dreck“.

Spätestens seit dem wissen wir, das die Netzwelt nicht nur bei politisch oder kulturell relevanten Themen zuschlägt, wie bei den Terroranschlägen von Mumbai oder dem Tod von Michael Jackson, sondern sich auch über wohl eher belanglose Ereignisse hermacht.

Die Folgen für Reiter werden wohl hoffentlich glimpflich für ihn ausgehen, dennoch, die Gefahren, private Meinungen und intime Stellungnahmen zu gewissen Themen über diese Medien so beherzt zu veröffentlichen, sollte man sich als Nutzer vorher genau überlegen.

Gefahr des Imageschadens wird meist unterschätzt

Auch viele Unternehmen unterhalten mittlerweile Seiten auf Social Network Plattformen. Der Vorteil liegt auf der Hand: Informationen können ohne große Aufwände einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden. Die Gefahr der Eigendynamik wird dabei aber oft unterschätzt. Denn nicht jeder Follower ist auch ein Fan. Praktisch jeder kann als Freund hinzugefügt werden. Die Wenigsten prüfen die Anfragen und die dahinter stehenden Personen. So hält man beispielsweise auch ohne sein Wissen, Konkurrenzfirmen auf dem Laufenden und gibt diesen Personen Zugang zu Neuerungen und dem eigenen Know-How.

Ein Negativ-Beispiel ist der amerikanische Konzern Kryptonite, der auf User Feedbacks, die die angebotenen Fahrradschlösser kritisierten, dass diese nicht sicherheitskonform seien, zu spät reagierte .Der Konzern fuhr danach einen wirtschaftlichen Verlust von 7,55 Mio Euro ein.

Experten raten zu professionellen Agenturen

Social Networks sind dennoch wichtige Kommunikationsmedien. Sich nun aus der Angst heraus, einen möglichen Verlust des Images oder der Marke zu riskieren, erst gar nicht auf diesen Plattformen zu agieren, ist sicher kein wirkungsvoller Weg. Social Networks bieten trotz allem sehr viele, vor allem auch kostengünstige und effektive Möglichkeiten für Unternehmen, um eine Marke und ein Unternehmen bekannt zu machen und seine Produkte einem breiten Publikum zur Verfügung zu stellen.

Um nicht in die Fettnäpfchen der Netzöffentlichkeit zu treten, ist es wichtig zBsp. auch negative Postings ernst zu nehmen und nicht einfach zu entfernen. Wer diese Kritiken authentisch beantwortet und seriös reagiert, beweist einen loyalen Umgang mit Kunden auch im realem Geschäftsleben.

Firmen die dennoch unsicher sind, wie ihr eigener Online Auftritt aussehen soll, können Spezialisten beauftragen, die sich mit Social Media Präsenzen auskennen. Angesichts der zu verzeichnenden Zuwachsraten, ist die Nutzung von Social Media Plattformen eine durchaus sinnvolle Ergänzung im Marketing für viele Unternehmen.