Samstag 18. Mai 2013, 16:31
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Das Japan-Syndrom

DATEF Magazine

Als 1989 in Japan die Aktien- und Immobilienmärkte zusammenbrachen, pumpte die japanische Regierung unvorstellbare Summen öffentlicher Gelder in die Wirtschaft. Der Plan eine großangelegte Subventionierung solle dem Inselstaat aus der Krise und sogar zu neuem Wachstum verhelfen, hat nicht funktioniert. 20 Jahre später hat sich Japan immer noch nicht von dieser Krise erholt.

2009 meldete Japan offiziell den Rückfall in die Deflation. Die Aktien großer Hersteller sinken auf breiter Front. Welche Auswirkungen, dass auf den Einzelhandel und kleine und mittelständige Unternehmen hat, braucht man nicht weitläufiger zu erörtern. Selbst 20 Jahre nach dem Crash notieren Japans Aktien einen Wert unter 70 % vom damaligen Stand. Man braucht kein Mathematikgenie zu sein um zu wissen, dass ein wiederholtes Erreichen dieser Werte vom Stand des heutiges Niveaus aus einer Vervielfachung bedürfen würde. Ein in Anbetracht der wieder sinkenden Preise gar nicht durchführbares Unterfangen, selbst in Hinblick positivster Prognostik.

Die Krise ist nicht vorbei

Nur mit einem unguten Gefühl denkt man da an die Lösungsvorschläge der Regierungen und deren Reaktionen auf die Wirtschaftskrise 2009 in Europa wie auch in den USA. Denn was damals schon nicht funktioniert hat, wird im Deckmantel neuer Argumentationen in absehbarer Zeit wieder nicht funktionieren.

Die staatlichen Rettungsaktionen konnten zwar das Finanzsystem vor einem totalen Zusammenbruch bewahren. Dennoch, das Vertrauen der Verbraucher in Banken und Staat ist gebrochen.

Verdrängungspolitik in der Praxis und in den Köpfen

Die Deflation ist in Europa längst schon angekommen. Mit knapp 5 % Inflationsrate müssen wir mittelfristig für die nächsten 10 Jahre rechnen. Grund für den Preisanstieg ist, dass die betroffenen Länder nicht rechtzeitig aus den Notfallprogrammen aussteigen und der Staat die Subventionen parallel nicht zurückzieht. Die Relation im Preis für ein Produkt verzerrt sich und Marktpreise werden künstlich produziert, statt sich aus einem gesunden Angebots – und Nachfrageverhältnis zusammenzusetzen.

Ein Beispiel: In vielen Schwellenländern stockt der Aufbau der eigenen Landwirtschaft seit Jahren, weil Lebensmittel subventioniert vor Ort viel billiger verkauft werden. Die ansässigen Bauern produzieren im Vergleich zu höheren Preisen und haben aus genau diesem Grund keine Abnehmer. Die Förderung dieser Staaten wird also in eine vollkommen verkehrte Richtung angestoßen. Statt wirklich zu helfen, verdrängen diese subventionierten und gespendeten Produkte die Wirtschaft vor Ort.

Generation Schuldner

Nicht zuletzt sind solch enorme Summen nur mit Hilfe von Steuererhöhungen und neuen Abgabemodellen zu bewältigen. Das bei steigender Inflation und sinkenden Löhnen sich die Kaufkraft zukünftig noch verschlechtert, scheint für viele Politiker nur ein nebensächliches Manko zu sein, was an anderer Stelle wieder subventioniert werden kann.

Letztlich werden die Steuerzahler mit ihrer Arbeitskraft für Fehlinvestitionen zur Kasse gebeten. Was das für die Zukunft der nachwachsenden Generation heißt und zwar nicht nur im Hinblick auf deren Absicherung im Alter, Pflegebedürftigkeit oder Krankenstand bleibt im Dunkeln eines spekulativen Hintergrundes.

„Südtirol ist nicht Europa“

Nein, dies ist kein neuer Versuch zur lokalen Abgrenzung oder ein Hinweis darauf, eine nationale Zugehörigkeit neu zu definieren. Lokal gesehen hat Südtirol einen in sich funktionierenden und abgegrenzten Markt. Auch wenn wir an der Krise vorbeigeschrammt sind, sind auch hierzulande die Auswirkungen spürbar. Dennoch, die wirtschaftliche Zukunft liegt vor allem in der Expansion in die angrenzenden Länder wie Österreich, Schweiz und Deutschland.

Umso wichtiger ist es daher die wirtschaftliche und politische Lage dieser Länder zu kennen, wenn Firmen anstreben auf diese Märkte vorzudringen.

Die Krise als Chance

Fakt ist, dass die Krise keine Staus in den Köpfen auslösen darf, die neue Investitionen verhindern. Jede Krise hat in ihrer Folge eine abwartende Haltung gezeigt, sowohl bei den Firmen als auch bei den Konsumenten.

Umso wichtiger ist es für die Unternehmen, gerade Krisenzeiten zu nutzen um sich neu zu orientieren und komplexe Verwaltungsmodelle zu eliminieren. Wer seine internen Strukturen & Abläufe flexibel gestaltet und diese anpassungsfähig macht, wird auch karge Zeiten sicher überstehen.

UNSER TIP:

Kooperationen mit Partnerunternehmen und externen Dienstleistern werden immer wichtiger um in allen Geschäftsbereichen kundenorientiert zu arbeiten. Wichtig ist dabei Kernkompetenzen im Unternehmen zu behalten und die Zusammenarbeit flexibel zu gestalten. Nur so kann sich auf Dauer das Unternehmen an sich ändernde Marktsituationen anpassen und Netzwerke dazu nutzen eigene Interessen gezielter zu verteilen und zu positionieren.